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Glossar

In unserem Glossar erläutern wir Ihnen kurz und bündig wichtige Begriffe, die mit dem Erbrecht zusammenhängen.

  • Ausgleichung

    Gemäss Art. 626 Abs. 2 ZGB haben die Nachkommen eines Erblassers alles zur Ausgleichung zu bringen und sich an ihren Erbanteil anrechnen zu lassen, was sie vom Erblasser zu Lebzeiten empfangen haben. Dazu zählen beispielsweise Erbvorbezüge oder Schenkungen in Form von Liegenschaften, Gegenständen oder Geldbeiträgen. Mit einem Testament oder Erbvertrag hat der Erblasser die Möglichkeit, einzelne Nachkommen zu begünstigen und von der Ausgleichungspflicht zu entbinden. Wichtig ist in diesem Zusammenhang, dass keine Pflichtteile verletzt werden.

  • Ehevertrag

    Gemäss Gesetz unterstehen Ehegatten den Vorschriften der Errungenschaftsbeteiligung. Mit einem Ehevertrag kann ein anderer Güterstand, d.h. die Gütergemeinschaft oder die Gütertrennung, vereinbart werden, was Einfluss auf die Höhe der Nachlassmasse hat. Ein Ehevertrag kann vor oder nach der Heirat abgeschlossen werden und muss wie der Erbvertrag öffentlich beurkundet werden.

  • Eigengut

    Eigengut sind jene Vermögenswerte, welche ein Ehegatte im Güterstand der Errungenschaftsbeteiligung (siehe Ehevertrag) in die Ehe einbringt oder während der Ehe insbesondere durch Erbschaft oder Schenkung erhält.

  • Eingesetzte Erben

    Der Erblasser kann im Rahmen des Gesetzes selber Erben einsetzen, beispielsweise indem er seine gesetzlichen Erben auf den Pflichtteil setzt. Dies können natürliche Personen sein wie z.B. das Gottenkind oder die Nachbarn sowie juristische Personen wie Stiftungen und Non-Profit-Organisationen.

  • Enterbung

    Eine Enterbung liegt dann vor, wenn der Erblasser einem pflichtteilsgeschützten Erben seinen Erbanteil entzieht. Damit eine Enterbung gültig ist, müssen wichtige Gründe vorliegen wie beispielsweise eine schwere Verletzung der familienrechtlichen Pflichten oder eine schwere Straftat gegenüber dem Erblasser oder einer dieser nahe verbundenen Person.

  • Erbengemeinschaft

    Hinterlässt ein Erblasser mehrere Erben, so sind diese in der sogenannten Erbengemeinschaft miteinander verbunden (Art. 602 ZGB). Bei Erbengemeinschaften herrscht das Prinzip der Einstimmigkeit. Was heisst das? Weigert sich beispielsweise ein Erbe eine Liegenschaft zu verkaufen, so kommt der Kaufvertrag nicht zustande. Dieses Einstimmigkeitsprinzip führt dazu, dass Erbengemeinschaften zum Teil jahrzehntelang nicht aufgehoben werden können. Eine Erbengemeinschaft kann nur mit einem Erbteilungsvertrag oder durch ein gerichtliches Urteil aufgehoben werden.

    Tipp:
    Mit einem Testament kann der Erblasser zu Lebzeiten die Nachteile des Einstimmigkeitsprinzips mindern oder ausschalten. Gerade wenn Streitigkeiten unter den Erben erwartet werden, empfiehlt es sich, dieses Thema mit einem Experten zu besprechen. Beispielsweise kann einem Erben die Erbenstellung testamentarisch entzogen werden.

  • Erbschaftssteuern

    In der Schweiz fällt es in die Hoheit der Kantone, Erbschafts- und Schenkungssteuern zu erheben. Mit Ausnahme des Kantons Schwyz machen davon alle Kantone Gebrauch, wobei die Unterschiede sehr hoch sind. Während Erbschaften an Ehegatten sowie eingetragene Partner in allen Kantonen steuerfrei sind, ist bereits bei den Nachkommen keine Einheit mehr vorzufinden. Die steuerpflichtigen Personen werden von den Kantonen in Steuerkategorien eingeteilt. Es gilt das Prinzip, dass die Steuer umso höher ausfällt, je grösser das Nachlassvermögen ist und je weiter der Erbe verwandtschaftlich vom Erblasser entfernt ist.

  • Erbschaftssteuern Kanton Aargau

    Im Kanton Aargau sind Ehegatten, eingetragene Partner, direkte Nachkommen sowie Eltern von Erbschafts- und Schenkungssteuern befreit.

    Grundlage für die Erhebung der Erbschaftssteuern bei den anderen Erben (z.B. Geschwister oder nicht verwandte Personen) bildet das Nachlassinventar, welches von den Gemeinden aufgenommen wird. Mit diesem Inventar, in welchem die Aktiven und Passiven des Nachlasses unter Aufrechnung weiterer Kosten wie beispielsweise Grabunterhalt erscheinen, erhalten die Erben eine erste Auskunft über die Höhe ihrer voraussichtlichen Erbanteile und der anfallenden Steuern.

  • Erbschaftssteuern Kanton Luzern

    Im Kanton Luzern sind Ehegatten, eingetragene Partner und direkte Nachkommen von Erbschafts- und Schenkungssteuern befreit.

    Grundlage für die Erhebung der Erbschaftssteuern bei den anderen Erben (z.B. Eltern, Geschwister oder nicht verwandte Personen) bildet das Nachlassinventar, welches von den Gemeinden aufgenommen wird. Mit diesem Inventar, in welchem die Aktiven und Passiven des Nachlasses unter Aufrechnung weiterer Kosten wie beispielsweise Grabunterhalt erscheinen, erhalten die Erben eine erste Auskunft über die Höhe ihrer voraussichtlichen Erbanteile und der anfallenden Steuern.

  • Erbvertrag

    Der Erbvertrag ist im Gegensatz zum Testament ein zweiseitiges Rechtsgeschäft und kann nur in einer einzigen Form, der öffentlichen Beurkundung durch einen Notar mit zwei Zeugen, errichtet werden. Im Erbvertrag trifft der Erblasser zusammen mit potentiellen Erben bindende Abmachungen bez. des Nachlasses. Beispielsweise kann auf diese Weise einen Erbverzicht oder eine Begünstigung vereinbart werden. Ebenfalls kann festgelegt werden, über welche Vermögenswerte der überlebende Ehegatte weiterhin verfügen kann (sogenannte Bindungswirkung). Soll ein Erbvertrag wieder aufgehoben werden, müssen alle beteiligten Parteien eine schriftliche Übereinkunft treffen. Diese muss nicht öffentlich beurkundet werden.

  • Erbverzichtsvertrag

    Mit dem Abschluss eines Erbverzichtvertrags verzichtet ein Erbe für sich und seine Erben auf seinen Anspruch am künftigen Nachlass. Entweder kann ein solcher Erbverzicht unentgeltlich sein oder der Erbe erhält dafür eine bestimmte Summe. In diesem Zusammenhang wird auch von einem Erbauskauf gesprochen.

    Tipp:
    Der Abschluss eines Erbverzichtvertrags ist beispielsweise bei kinderlosen Konkubinatspaaren ein beliebtes Instrument, um den Partner maximal zu begünstigen, indem die Eltern mittels eines Erbverzichtvertrags auf ihren Pflichtteil verzichten.

  • Erbvorbezug

    Mit dem Erbvorbezug, auch Vorempfang genannt, kann der Erblasser seinen gesetzlichen Erben einen bestimmten Gegenstand, zum Beispiel eine Liegenschaft, oder einen bestimmten Geldbetrag zu Lebzeiten übergeben. Wichtig zu wissen ist, dass Erbvorbezüge der Ausgleichungspflicht unterliegen, d.h. der Gegenwert wird beim Tod des Erblassers in der Erbteilung angerechnet. Hingegen ist auf den erhaltenen Erbvorbezug, insofern nichts anderes vereinbart wurde, kein Zins geschuldet.

    Tipp:
    Es lohnt sich, Abmachungen bez. Erbvorbezügen schriftlich zu regeln, die Nachkommen über die Bedingungen zu orientieren und die Abmachungen an einem sicheren Ort aufzubewahren. So können Streitereien bei der Erbteilung vermieden werden.

  • Formfehler im Testament

    In Testamenten kommt es immer wieder zu Formfehlern, die zu einer Ungültigkeitsklage führen können. Häufige Formfehler sind beispielsweise:

    • Bei einem eigenhändig geschriebenen Testament wurde nicht der ganze Text von A bis Z vom Erblasser von Hand geschrieben.
    • Beim eigenhändig geschriebenen Testament fehlt das Datum.
    • Beim öffentlichen Testament wirkt eine Person, die in diesem Testament begünstigt wird, als Zeugin mit.

    Wenn niemand klagt, werden auch Testamente mit Formfehlern nach Ablauf einer gewissen Zeitspanne nach dem Tod des Erblassers als gültig betrachtet.

  • Gesetzliche Erben

    Zu den gesetzlichen Erben zählt zum einen der überlebende Ehegatte bzw. eingetragene Partner. Zum anderen sind die Blutsverwandten gesetzliche Erben. Das Gesetz teilt die möglichen Erben nach Verwandtschaftsnähe zum Erblasser in die Stammesordnung ein. Zum ersten Stamm zählen die Nachkommen des Erblassers und alle Personen, die von diesen abstammen (Kinder, Enkel etc. des Erblassers). Zum zweiten Stamm zählen die Eltern des Erblassers, sowie alle Personen, die von diesen abstammen (Vater, Mutter, Geschwister des Erblassers). Zum dritten Stamm zählen die Grosseltern des Erblassers und alle Personen, die von diesen abstammen. Mit dem Stamm der Grosseltern hört die Erbberechtigung der Verwandten auf.

    Bei der Ermittlung der Erbanteile bei den Blutsverwandten gilt unter anderem folgender Grundsatz. Der nähere Stamm schliesst die entfernteren Stämme aus. Was bedeutet dies konkret? Hat der Erblasser Kinder (erster Stamm), gehen der zweite und dritte Stamm (Eltern, Geschwister, Grosseltern, Onkel und Tanten) leer aus.

  • Gesetzliche Erbfolge

    Stirbt eine Person, ohne dass sie ein Testament oder einen Erbvertrag hinterlässt, kommen die gesetzlichen Erben zum Zug. Das Gesetz regelt, wer in welchem Umfang erbberechtigt ist. Wenn keine gesetzlichen Erben vorhanden sind, erben der Kanton und/oder die Gemeinde.

  • Güterrechtliche Auseinandersetzung

    Nach dem Tod einer verheirateten Person erfolgt vor der Erbteilung die güterrechtliche Auseinandersetzung, da die güterrechtlichen Verhältnisse Einfluss auf die Höhe der Erbmasse haben. Besteht kein Ehevertrag, gelten für die güterrechtliche Abrechnung die Vorschriften über die Errungenschaftsbeteiligung. Dabei wird unterschieden zwischen dem Eigengut und der Errungenschaft von Mann und Frau. In die Erbmasse fällt das ganze Eigengut der verstorbenen Person sowie die Hälfte beider Errungenschaften.

  • Herabsetzungsklage

    Mit einer Herabsetzungsklage können die Erben, die ihre Pflichtteile verletzt sehen, das Testament des Erblassers anfechten und ihren Pflichtteil einfordern. Die Herabsetzungsklage muss innert Jahresfrist nach dem Tod des Erblassers an dessen letztem Wohnort eingereicht werden.

  • Lebzeitige Zuwendungen

    Viele Personen überlegen sich, schon zu Lebzeiten einen Teil ihres Vermögens weiterzugeben, beispielsweise weil die eigenen Nachkommen das Geld für einen Hauskauf oder die Gründung eines eigenen Unternehmens benötigen. In diesem Zusammenhang wird von lebzeitigen Zuwendungen gesprochen. Lebzeitige Zuwendungen können via Erbvorbezug oder Schenkung erfolgen.

  • Legat

    siehe Beitrag zu Vermächtnis

  • Nachlassverwalter

    siehe Beitrag zu Willensvollstrecker

  • Pflichtteil

    Der Pflichtteil ist der Anteil des Nachlassvermögens, welcher den gesetzlichen Erben nicht entzogen werden kann. Allerdings haben nicht alle gesetzlichen Erben Anrecht auf einen Pflichtteil. Pflichtteilsgeschützt sind die Nachkommen aller Grade (Kinder, Enkel, Urenkel), die Eltern sowie der Ehegatte bzw. eingetragene Partner des Erblassers.

    Der Pflichtteil besteht jeweils aus einem Bruchteil des gesetzlichen Erbanspruchs und ist je nach Verwandtschaftsnähe unterschiedlich gross.

  • Schenkung

    Mit der Schenkung kann ein Erblasser zu Lebzeiten eine unentgeltliche Übertragung von Vermögenswerten in die Wege leiten, was aber nicht heisst, dass Schenkungen bei der Erbteilung per se nicht mehr berücksichtigt werden, da es darauf ankommt, wer die beschenkte Person ist:

    • Schenkungen an pflichtteilsgeschützte Erben: Diese werden grundsätzlich wie Erbvorbezüge behandelt und müssen daher ausgeglichen werden. Nicht ausgleichungspflichtig sind Gelegenheitsgeschenke. Ebenfalls sind Erziehungs- und Ausbildungskosten nur der Ausgleichung unterworfen, wenn sie das übliche Mass übersteigen.
    • Schenkungen an nicht pflichtteilsgeschützte Erben und (juristische und natürliche) Drittpersonen: Diese sind grundsätzlich nicht ausgleichungspflichtig. Allerdings ist darauf zu achten, dass die Schenkung die Pflichtteile der gesetzlichen Erben nicht verletzt, da es sonst zu einer Herabsetzungsklage kommen kann.
  • Teilungsvorschrift

    Mit einem Testament oder einem Erbvertrag kann der Erblasser Teilungsvorschriften erlassen. Beispielsweise kann er so regeln, dass der Sohn das elterliche Haus bekommt, während die Tochter das Bargeldvermögen erhält. Bei einer reinen Teilungsvorschrift geht das Gesetz davon aus, dass das Prinzip der Ausgleichung gilt, d.h. wenn die Liegenschaft mehr Wert hat als das Bargeldvermögen, so muss der Sohn der Tochter die entsprechende Differenz zwischen Liegenschaft und Bargeldvermögen bezahlen, so dass beide gleich viel erhalten.

  • Testament

    Das Testament, auch letztwillige Verfügung genannt, gibt den letzten Willen einer Person wieder. Der Erblasser setzt es alleine auf und kann jederzeit Änderungen anbringen oder es wieder aufheben, d.h. es handelt sich um ein einseitiges Rechtsgeschäft (im Gegensatz zum Erbvertrag).

    Das Erbrecht sieht drei Formen vor, wie ein Testament gültig errichtet werden kann, wobei die dritte Form nur in Notsituationen gilt:

    1. Das eigenhändig geschriebene Testament: Dieses muss von Anfang bis Schluss handschriftlich geschrieben sein, mit dem genauen Datum versehen und unterzeichnet werden. Wichtig ist, dass im eigenhändigen Testament keine Formulierungen gewählt werden, die verschieden ausgelegt werden können, damit das Testament nicht angefochten werden kann. Deshalb lohnt es sich, das eigenhändige Testament von einem Experten überprüfen zu lassen.
    2. Das öffentliche Testament: Das öffentliche Testament wird unter Mitwirkung einer Urkundsperson, d.h. eines Notars, errichtet. Zwei Zeugen haben das Dokument ebenfalls zu unterschreiben und u.a. die Urteilskraft des Erblassers zu bestätigen.
    3. Das mündliche Testament (Nottestament): In einer ausserordentlichen Notsituation kann vor zwei Zeugen ein mündliches Testament erfolgen. Die beiden Zeugen haben das Gehörte sofort schriftlich festzuhalten, zu unterschreiben und beim Gericht einzureichen mit der Erklärung, dass der Erblasser ihnen im Zustand der Verfügungsfähigkeit in der beschriebenen Notlage den letzten Willen mitgeteilt hat.
  • Ungültigkeitsklage

    Fehlerhafte Testamente mit Formfehlern, Testamente von verfügungsunfähigen Personen (Demenz), aber auch Testamente, die im Widerspruch zu später aufgesetzten Testamenten oder einem abgeschlossenen Erbvertrag stehen, können zu Ungültigkeitsklagen führen. Die Ungültigkeitsklage kann gemäss Gesetz „von jedermann erhoben werden, der als Erbe oder Bedachter ein Interesse daran hat.“ Das Urteil einer Ungültigkeitsklage gilt nur unter den Prozessparteien.

  • Verfügbare Quote

    Die frei verfügbare Quote ist der Anteil des Nachlasses, über welchen der Erblasser nach Belieben verfügen kann. Hat der Erblasser keine pflichtteilsgeschützten Erben, kann er über das gesamte Vermögen frei verfügen und dies beispielsweise Non-Profit-Organisationen, die er unterstützenswert findet, zukommen lassen.

  • Vermächtnis

    Mit einem Vermächtnis (auch Legat genannt), kann der Erblasser eine bestimmte Summe oder einen Gegenstand einer bestimmten (natürlichen oder juristischen) Person zuweisen (Art. 484. ZGB). Das können Geldbeträge aber auch Kunstgegenstände, Schmuck, Mobiliar, Akten, Grundstücke etc. sein. Ebenfalls ist es möglich, einen Bruchteil des Nachlasses als Vermächtnis zuzuweisen (Quotenvemächtnis).

    Tipp:
    In einem Testament ist genau zu unterscheiden, ob es sich um ein Vermächtnis oder eine sogenannte Teilungsvorschrift handelt. Ist beispielsweise geschrieben: „Meine Nichte bekommt das Ferienhaus im Tessin“ ist nicht klar, ob es sich um ein Vermächtnis handelt oder ob der Erblasser möchte, dass die Nichte das Ferienhaus zwar erhält, den Gegenwert aber in die Nachlassmasse einbezahlen muss. Hätte der Erblasser das Wort „unentgeltlich“ angefügt, wäre die Sache klar gewesen.

  • Vor- und Nacherbeneinsetzung

    Mit einem Testament oder einem Erbvertrag kann eine Vor- und Nacherbeneinsetzung angeordnet werden, so dass eine zweistufige Erbfolge entsteht. Beim Tod des Erblassers tritt der Vorerbe die Erbschaft an. Stirbt der Vorerbe, geht die Erbschaft nicht weiter an seine gesetzlichen Erben, sondern an den vom ursprünglichen Erblasser bestimmten Nacherben.

    Tipp:
    Die Variante der Vor- und Nacherbeneinsetzung ist ein beliebtes Instrument bei Patchwork-Situationen. Der Erblasser hat so beispielsweise die Möglichkeit, die zweite Ehefrau als Vorerbin und seine eigenen Kinder aus erster Ehe als Nacherben einzusetzen. So geht das restliche Vermögen, welches er in einem ersten Schritt seiner zweiten Ehefrau hat zukommen lassen, wieder zurück zu seinen Kindern und nicht an die gesetzlichen Erben der Ehefrau.

  • Vorschlagssummenzuweisung

    Gegenüber gemeinsamen Nachkommen kann durch einen Ehevertrag vereinbart werden, dass das gesamte erarbeitete Vermögen dem überlebenden Ehegatten zufällt.

  • Vorsorgeauftrag

    Beim Erstellen eines Testaments oder eines Ehe- und Erbvertrags wird oft auch ein Vorsorgeauftrag abgeschlossen. Mit einem Vorsorgeauftrag können folgende Bereiche für den Fall einer vorübergehenden oder dauernden Urteilsunfähigkeit geregelt werden:

    • Personenvorsorge (Wohnangelegenheiten, Pflegedienstleistungen, medizinische Massnahmen)
    • Vermögensvorsorge (z.B. Einkommens- und Vermögensverwaltung, Zahlungsverkehr)
    • Vertretung im Rechtsverkehr (Abgabe der Steuererklärung, Vertretung gegenüber Behörden).

    Der Vorsorgeauftrag kann wie ein Testament eigenhändig erstellt oder öffentlich beurkundet werden.

  • Willensvollstrecker

    Mittels Testament oder Erbvertrag kann der Erblasser einen Willensvollstrecker bestimmen. Als Willensvollstrecker kann jede handlungsfähige Person eingesetzt werden, zum Beispiel eine verwandte Person oder ein unbeteiligter Dritter. Ebenfalls ist es möglich, als Willensvollstrecker eine juristische Person, d.h. eine Firma oder eine Stiftung, einzusetzen. Die einzelnen Aufgaben des Willensvollstreckers werden im Gesetz aufgeführt. Er ist in erster Linie zuständig für die Verwaltung der Erbschaft (Feststellung, Anlage und Bewahrung des Vermögens), die Bezahlung der Schulden des Erblassers, die Ausrichtung allfälliger Vermächtnisse sowie die Vorbereitung der Nachlassteilung nach den Anordnungen des Erblassers oder nach den Vorschriften des Gesetzes.